Kurzfassung: Wenn Sie in Deutschland ein Unternehmen gründen möchten, müssen Sie zunächst klären, ob Ihre Tätigkeit ein Gewerbe (Handel, Gastronomie, Laden, Dienstleistungen) oder ein Freier Beruf (Arzt, Anwalt, Übersetzer, Designer, beratender Ingenieur) ist. Ein Gewerbe wird beim Gewerbeamt angemeldet, Freiberufler melden sich direkt beim Finanzamt. Innerhalb eines Monats nach Aufnahme müssen Sie in ELSTER den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ausfüllen. Bei einem Umsatz von bis zu 25.000 € im Vorjahr können Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen und keine Umsatzsteuer berechnen.
Schritt 1: Aufenthaltstitel für die Selbstständigkeit
EU-Bürger sowie Inhaber einer Niederlassungserlaubnis oder eines Aufenthaltstitels mit dem Vermerk „Erwerbstätigkeit erlaubt“ können ohne Einschränkung ein Unternehmen gründen. Andernfalls benötigen Sie eine Aufenthaltserlaubnis zur selbstständigen Tätigkeit (§ 21 AufenthG), für die ein tragfähiger Geschäftsplan, ein wirtschaftliches Interesse oder regionales Bedürfnis und eine gesicherte Finanzierung nötig sind. Stimmen Sie sich vor dem Start mit der Ausländerbehörde ab.
Schritt 2: Rechtsform wählen
- Einzelunternehmen: die einfachste Form; kein Mindestkapital, aber volle persönliche Haftung.
- GbR: Gesellschaft von zwei oder mehr Personen mit persönlicher Haftung.
- UG (haftungsbeschränkt): „Mini-GmbH“ mit einem Mindestkapital von 1 €; erfordert einen Notar.
- GmbH: Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Stammkapital von 25.000 € (mindestens die Hälfte davon bei der Eintragung).
Schritt 3: Gewerbeanmeldung
- In den meisten Städten online oder persönlich beim Gewerbeamt
- Unterlagen: Reisepass, Aufenthaltskarte mit Erlaubnis zur selbstständigen Tätigkeit und für manche Berufe eine besondere Erlaubnis (zum Beispiel Gastronomie: Gaststättenerlaubnis und Gesundheitszeugnis; Handwerk: Eintragung in die Handwerksrolle)
- Gebühr: je nach Stadt etwa 15 € bis 65 €
- Nach der Anmeldung informiert das Gewerbeamt automatisch Finanzamt, Kammer (IHK oder HWK) und Berufsgenossenschaft. Die Mitgliedschaft in der IHK ist Pflicht.
Schritt 4: steuerliche Erfassung
Füllen Sie im ELSTER-Portal innerhalb eines Monats den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ aus. Darin geben Sie das erwartete Einkommen, die Rechtsform und die Wahl der Kleinunternehmerregelung an. Anschließend erhalten Sie eine Steuernummer und bei Bedarf eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.).
Wichtigste Steuern
- Einkommensteuer: auf den Gewinn; vierteljährliche Vorauszahlungen.
- Umsatzsteuer: 19 % oder 7 % (zum Beispiel auf Lebensmittel). Kleinunternehmer mit einem Umsatz von höchstens 25.000 € im Vorjahr und höchstens 100.000 € im laufenden Jahr sind befreit.
- Gewerbesteuer: nur für Gewerbebetriebe; für natürliche Personen und Personengesellschaften sind 24.500 € Jahresgewinn befreit.
Mehr dazu im Ratgeber zu Steuern in Deutschland.
Schritt 5: Versicherungen
- Krankenversicherung: für Selbstständige Pflicht; gesetzlich (freiwillig) oder privat – Ratgeber zur Krankenversicherung.
- Betriebshaftpflichtversicherung: dringend empfohlen.
- Rentenversicherung: für manche Berufe Pflicht (zum Beispiel Lehrer, Handwerker).
Schritt 6: Bankkonto und Buchhaltung
Eröffnen Sie ein separates Konto für das Unternehmen (Ratgeber zum Bankkonto). Bewahren Sie alle Rechnungen und Belege 10 Jahre lang auf. Ab 2025 müssen Rechnungen zwischen Unternehmen schrittweise als elektronische Rechnung (E-Rechnung) ausgestellt werden.
Schritt 7: Sichtbarkeit
Die Eintragung im Google Business Profil, eine Website und Präsenz in sozialen Netzwerken sind unverzichtbar. Um die Tausenden Iranerinnen und Iraner in Deutschland zu erreichen, die persischsprachige Dienstleistungen suchen, tragen Sie Ihr Unternehmen in unser Verzeichnis ein.
Förderung und Finanzierung
- Gründungszuschuss: ein Zuschuss der Arbeitsagentur für Arbeitslose, die ein Unternehmen gründen.
- KfW-Kredite: zinsgünstige staatliche Darlehen für Start-ups.
- Kostenlose Beratung durch IHK und HWK sowie Beratungsstellen für Gründer mit Migrationshintergrund.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet die Gewerbeanmeldung in Deutschland?
Je nach Stadt etwa 15 € bis 65 €. Die Anmeldung eines Freien Berufs beim Finanzamt ist kostenlos.
Wer ist Kleinunternehmer?
Ein Unternehmen, dessen Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 € und im laufenden Jahr höchstens 100.000 € betrug und das Rechnungen ohne Umsatzsteuer ausstellen darf.
Darf ich mit einem Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit ein Nebengewerbe betreiben?
Nur, wenn Ihre Aufenthaltskarte es erlaubt. Andernfalls holen Sie zuerst die Erlaubnis der Ausländerbehörde ein.
Welche Genehmigungen braucht ein iranisches Restaurant?
Gewerbeanmeldung, Gaststättenerlaubnis (bei Alkoholausschank, je nach Bundesland), Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz zur Lebensmittelhygiene sowie die Einhaltung von Bau- und Brandschutzvorschriften.
Dieser Beitrag stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar; lassen Sie sich bei der Gründung von einem Steuerberater beraten. Zuletzt aktualisiert: September 2026.
